Integration auf dem Handballfeld

Handball ist in Syrien nicht gerade ein Volkssport. In Schwerte jedoch gibt es einen Syrer, für den das kleine runde Leder weit mehr Bedeutung hat als für andere: Mustafa H. O. trainiert und spielt bei der HVE Villigst-Ergste.

Klingt erstmal ganz normal, das Besondere daran ist jedoch, dass der 20-Jährige ein Flüchtling ist. Mustafa lebt in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Villigster Kindergarten und ist seit September bei der HVE aktiv. Bereits in seiner Heimat spielte er, der Sport ist dort alles andere als populär. Doch über einen Freund sei er an den Sport gekommen, erzählt er – und weil es ihm so gefallen hat, blieb er sechs Jahre lang am Ball. In Schwerte angekommen wurde er nun gefragt, welchen Sport er gerne betreiben würde. Die Antwort war klar. Und wenn in Villigst irgendwo jemand „Handball“ sagt, ist die HVE Villigst-Ergste nicht weit.

Schon dreimal gespielt

Dienstags und freitags wird Mustafa entweder von einem in der Nähe wohnenden Teamkollegen oder dem Trainer mitgenommen. An diesen Tagen trainiert die zweite Mannschaft der HVE. Der Trainingsgast war sofort Feuer und Flamme und blieb dabei. Inzwischen hat er bereits zweimal für die dritte und einmal für die zweite Mannschaft gespielt. Das handballerische Level, sagt Mustafa auf Englisch, sei deutlich höher als in seiner Heimat, insbesondere was die Trainingsqualität angeht. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass er leistungstechnisch hinten dran ist. Beobachtet man das Training, so fällt nicht auf, dass da einer ist, der erst seit vier Monaten dabei ist. Das liege mit Sicherheit auch daran, wie positiv ihn alle im Verein aufgenommen hätten, erklärt der Syrer. Es dauerte nicht lange, da hatte er Trainingsanzug, Trikot und Ball vom Verein bekommen. Und obwohl die Kommunikation im Training nur auf Englisch abläuft, ist er gut integriert.

Der junge Mann lernt schnell und hat die Übungen manchmal schneller verstanden als einige seiner Trainingspartner. Es ist ihm anzumerken, dass er sich wohl fühlt in der Sporthalle am Gänsewinkel. Deutsch spricht er noch recht wenig, auch wenn er die handballtypischen Begriffe wie „Kreis“ oder „Wechsel“ bereits adaptiert hat. Aktuell wird für die Villigster Flüchtlinge ein Deutschkurs angeboten, an dem Mustafa auch teilnimmt. Er ist optimistisch, dass er schon bald mehr versteht: So schwierig sei die Sprache auch nicht zu verstehen, lacht er. Für den Sport sind Sprachbarrieren ohnehin nur theoretischer Natur. Und so antwortet Mustafa auf die abschließende Frage, ob es ihm bei der HVE gefalle, mit den Worten „I enjoy it so much“ – und wie es ihm gefällt.

Quelle: ruhrnachrichten.de


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